Drogen rauben den Menschen nicht automatisch den freien Willen. Die überwältigende Mehrheit der Menschen konsumiert Genussmittel – egal ob Alkohol, Kaffee, Cannabis oder härtere Substanzen – völlig kontrolliert, maßvoll und vernünftig. Totalverbote bringen nichts: Entscheidend für risikofreien Konsum sind Mäßigung, Selbstbeherrschung und das soziale Umfeld.
In seinem Buch "Sag: Ja." erklärt Jacob Sullum, warum die meisten Menschen bereits jetzt vernünftig mit Drogen umgehen. Eine Buch-Rezension über Saying Yes. In Defense of Drug Use (2003) von Martin Banweg

Die 5 wichtigsten Erkenntnisse aus der Rezension lauten:
- Der „Voodoo-Pharmakologie"-Mythos ist falsch: Drogen machen Konsumenten nicht zu hilflosen Sklaven. Fast alle Menschen dosieren Genussmittel bewusst und konsumieren nur zu bestimmten Anlässen (z. B. am Wochenende oder mit Freunden).
- Der Kontext macht die Sucht, nicht der Stoff: Nicht die Substanz allein macht abhängig, sondern die Lebensumstände (Set & Setting). Selbst bei harten Drogen verfällt die Mehrheit der Nutzer nicht dem Ruin, wenn ihr Alltag stabil ist.
- Echte Mäßigung statt Totalverbot: Historisch bedeutete „Temperanz" Genuss mit Verstand – nicht Völlerei, aber eben auch keine sture Abstinenz. Verbote scheitern regelmäßig an der Realität.
- Volle Doppelmoral in der Gesellschaft: Warum ist die alltägliche Kaffee-Sucht gesellschaftlich akzeptiert, Kiffen aber nicht? Warum gelten Amphetamine bei ADHS als Medizin, in der Freizeit aber als Teufelszeug? Die Trennung zwischen „guter Medizin" und „böser Droge" ist oft reine Willkür.
- Soziales Umfeld schlägt Gesetze: Nicht das Strafrecht schützt vor Exzessen, sondern soziale Normen und Freunde. Gesetzliche Leitplanken (wie Jugendschutz oder Fahrverbote unter Einfluss) sind sinnvoll, aber Komplettverbote sind gescheitert.
Fazit: Eine Absage an Hysterie und Prohibition – und ein Plädoyer für einen ehrlichen, erwachsenen Umgang mit Rausch- und Genussmitteln.
☝🏻 Disclaimer: Bitte beachte unbedingt unsere Risikohinweise.
Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht neue Meldungen über die schädlichen gesundheitlichen, teilweise auch sozialen Folgen von Alkohol berichtet wird. Wenn man so unklug ist, einen Blick in die Kommentarspalten der sozialen Medien zu riskieren, wird man allerhand Forderungen nach drastischen Erhöhungen der Alkoholsteuer, wenn nicht gar nach einem Verbot der Teufelsdroge Alkohol generell, lesen. Selbst Menschen, die Psychedelika freundlich gesinnt sind, können sich manchmal einen abfälligen Kommentar über Alkohol nicht verkneifen. Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Prohibition.
Jacob Sullum dreht den Spieß nun um: In seiner Streitschrift Saying Yes. In Defense of Drug Use aus dem Jahr 2003 plädiert er für die Enttabuisierung und Entkriminalisierung des Konsums sämtlicher Drogen. Sullums Hauptargument ist dabei so simpel wie bestechend: Die Geschichte des Alkoholkonsums in westlichen Gesellschaften ist summa summarum eine Erfolgsgeschichte. Die Menschen zeigen im Großen und Ganzen, dass sie selbst mit der so schädlichen Droge Alkohol maßvoll und vernünftig umgehen können. Denn auch wenn gesundheitliche und psychische Schäden durch Alkohol keine Seltenheit sind: Wenn man bedenkt, wie viele Menschen ohne nennbare Probleme hin und wieder Alkohol trinken und wie leicht Alkohol rund um die Uhr verfügbar ist, halten sich dessen negative Auswirkungen doch in Grenzen. Derzeit ist der Alkoholkonsum sogar rückläufig – ganz ohne Verbote.
Obwohl das Buch bereits 2003 erschien, ist Saying Yes ein wichtiger Beitrag zur Diskussion um Genussmittel. Statt in das Horn des Mainstream zu blasen, der gerade dazu ansetzt, Alkohol strenger zu regulieren, wäre es für die psychedelische Bewegung lehrreich, Sullums mittlerweile über 20 Jahre altes Buch (trotz einiger Alterungserscheinungen) erneut zu lesen.
Leicht einen sitzen oder völlig druff?
Sullum schreibt gegen eine Vorstellung an, die er Voodoo Pharmacology nennt: die Idee, dass Drogen die totale Kontrolle über Konsumierende oder gar Süchtige hätten. In dieser Vorstellung bestimmen die Drogen das Leben der Konsumierenden komplett: Sie annullieren den freien Willen und erscheinen als übermächtige, quasi spirituelle Kräfte, die sich nicht moderieren lassen. In dieser Vorstellung können illegale Drogen also gar nicht maßvoll konsumiert werden.
Sullum erklärt, dass das gängige Klischee, mit dem illegale Drogen konfrontiert sind, lautet, man nehme sie, um high zu werden; also den druffestmöglichen Zustand zu erreichen. Wein, Tabak, Kaffee oder Schokolade hingegen könne man zu Genusszwecken dosieren. Hier ginge es um den leichten buzz, dort um den Absturz. So lautet jedenfalls das Klischee.
Saying Yes räumt mit diesem Mythos anhand einer Vielzahl von Studien, Anekdoten und Argumenten auf. Nicht nur lässt sich jede Droge dosieren; auch schießen sich die meisten Menschen im Normalfall ihres Konsums, selbst bei den härtesten Drogen, nicht völlig weg. Sie konsumieren in Maßen: am Wochenende, zu besonderen Anlässen, abends ein wenig, nur mit Freunden… Set und Setting sind entscheidend. Sie unterscheiden sich in unseren posttraditionalen westlichen Gesellschaften zwar stark individuell und je nach Konsument oder Konsumentengruppe. Aber die Normalität ist alles in allem der (naja, zumindest medizinisch nicht ganz) gesunde Mittelweg.
Sullum ist sich der Gefahren, die im Konsum von Drogen liegen, bewusst. Die Moralpaniken der Prohibitionisten, betont er, haben meist ein Fünkchen Wahrheit: Es gibt Sucht und Abhängigkeit. Verschiedene Drogen verursachen neurologische, kardiovaskuläre und viele andere körperliche Schäden. Und für jemanden mit hohem Blutdruck birgt schon zu viel Kaffee gesundheitliche Risiken. Kurz: Genussmittel sind in aller Regel schlicht ungesund.
Hinzu kommt ein weiterer Wermutstropfen, was die Darstellung der Gesundheitsrisiken in Saying Yes anbelangt: Sullums Buch hat mehr als zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Die von ihm zitierten Studien spiegeln den Forschungsstand der 1990er und 2000er Jahre wider. Damals wurde noch diskutiert, ob Alkohol nicht auch gesundheitsförderliche Eigenschaften hätte. Sullum schreibt etwa, es gebe Hinweise, dass geringe Mengen Alkohol förderlich für das Herz-Kreislauf-System oder gar in der Schwangerschaft unproblematisch seien. Mit heutigem Wissensstand muss dem klar widersprochen werden. Es liegt in der Verantwortung der Lesenden, die wissenschaftliche Aktualität der Argumente immer wieder neu zu prüfen.
Das ist bedauerlich, tut aber dem eigentlichen Argument keinen Abbruch: Denn (fast) alle Drogen sind ab einer gewissen Dosis gesundheitsschädlich oder zumindest riskant. Wie verhindert eine Gesellschaft also, dass Menschen sie im Übermaß konsumieren? Sullum empfiehlt hier, dass nicht das Straf- und Betäubungsmittelrecht regulieren sollte, sondern das soziale Umfeld. Nur die Menschen um einen herum können Set und Setting so setzen, dass Risiken und Nutzen von Drogen in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Das bedeutet nicht, dass besondere gesetzliche Regulierungen nicht sinnvoll sind (wie bspw. Altersbeschränkungen). Doch Totalverbote scheitern an der Realität.
Sullum zeigt dies unter anderem (aber nicht nur) am Beispiel der Alkoholprohibition in den USA: Der Alkoholkonsum sank und stieg bisweilen völlig unabhängig davon, welche gesetzlichen Regularien galten – ob Alkohol nun legal war oder nicht. Ganz aktuell lässt sich Ähnliches an der Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (KCanG) beobachten: Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Konsum von Cannabis seit der Teillegalisierung nicht angestiegen ist.
Umgekehrt existiert bei legalen Drogen – von Alkohol bis hin zur Schokolade (die ebenfalls psychoaktive Stoffe wie Theobromin oder Koffein enthält) – in großen Teilen der Bevölkerung ein weitgehend vernünftiger Umgang. Ein vernünftiger Umgang besteht, Sullum folgend, darin, Drogen bestimmten Aktivitäten oder Momenten vorzubehalten und sie dabei nicht exzessiv zu konsumieren. Was ein Exzess ist und was nicht, bestimmen einerseits situationsabhängige soziale Normen (man denke an „kein Bier vor vier") und andererseits Selbstbeschränkungen der Person („ich rauche nur am Wochenende").
Das Recht sollte lediglich die Formen des Exzesses einschränken, die andere Menschen (potenziell) beeinträchtigen: Das Autofahren unter Alkoholeinfluss ist bspw. zurecht verboten. Sullum hält solche Verbote und Regulierungen also nicht nur für sinnvoll, sondern auch für notwendig. Doch weist Sullum auch hier auf Inkonsistenzen hin: Wer etwa mit akutem Schlafmangel in ein Auto steigt und von der Polizei angehalten wird, braucht bspw. nicht um seinen Führerschein zu fürchten. Aber ist derjenige fahrtüchtiger als jemand, der gut ausgeruht einen Joint geraucht hat?
Echte Temperanz als westliche Tradition
Sullum sieht die historisch-kulturelle Grundlage für eine echte Temperanz, also Maßhalten, in der jüdisch-christlichen und der antiken griechischen Tradition. Anhand einer Reihe von Zitaten aus der (hebräischen) Bibel und dem Talmud zeigt er, dass Alkohol beziehungsweise Wein in jüdischen wie christlichen Gründungstexten einen hohen Stellenwert genießt. Zugleich warnen die Texte vor übermäßigem Konsum: Man darf trinken und feiern, soll dabei aber nicht den Verstand verlieren.
Dieses Maßhalten ist sowohl das Gegenteil von Völlerei und Exzess als auch von totaler Enthaltsamkeit. Sullum weist darauf hin, dass völlige Abstinenz und Askese in der jüdisch-christlichen Lehre bisweilen genauso geächtet sind wie Trunkenheit selbst: Abstinenz komme einer Ächtung der göttlichen Schöpfung gleich. (Eine Rolle dürfte aber auch gespielt haben, dass fanatische Sekten, die sich häufig durch rigide Disziplinierungen des Konsums auszeichnen, die soziale Ordnung bedrohten oder zumindest störten.)
Temperanz, die vergleichbar ist mit der antik-griechischen Sophrosyne, ist ein Eckpfeiler unserer Genusskultur. Verschiedene Prohibitionisten, darunter protestantische Sekten, haben diesen Gedanken allerdings mit Erfolg pervertiert. Das amerikanische Temperance Movement und seine zentralen Figuren, etwa der Priester Lyman Beecher, verbanden den Begriff der Mäßigung mit dem der totalen Enthaltsamkeit: Man müsse sich von Genussmitteln gänzlich fernhalten. Sullum zeigt, dass diese asketische Ethik sich bisweilen nicht nur auf Alkohol, Tabak und illegale Drogen beschränkt, sondern auch koffeinhaltige Getränke und Softdrinks umfasst. Das Temperance Movement hat insbesondere in den USA das Verständnis des (vermeintlichen) Missbrauchs von Genussmitteln und auch das moderne Verständnis von Sucht bis heute stark geprägt.
Schreckgespenst Sucht
Aber was ist eigentlich Sucht? Sullum weist auf die einfache Tatsache hin, dass eine Abhängigkeit erst dann als Sucht etikettiert wird, wenn sie weitere Probleme nach sich zieht. Es gibt etwa Menschen, die frühmorgens ohne ihre erste Tasse Kaffee kaum ansprechbar sind. Diese Koffeinsüchtigen sind zwar auf ihren Stoff angewiesen, aber dadurch weder sozial noch gesundheitlich ernsthaft beeinträchtigt. Obwohl sie Symptome der Abhängigkeit zeigen, gelten sie daher nicht als süchtig. Stoffe, die keine oder kaum gesundheitsschädlichen Folgen haben, gelten gemeinhin nicht als „süchtig machend". Welche Stoffe machen also süchtig?
Generell ist der These, ein Stoff mache an sich bereits süchtig, in dieser Allgemeinheit zu widersprechen. Sullum bezieht sich hier unter anderem auf das berühmte Kokainexperiment an Ratten: Die Tiere in einem ansonsten leeren Käfig konsumierten Kokain bis zur Überdosis. Daraus schloss man zunächst, Kokain mache süchtig und abhängig. Gab man den Ratten jedoch einen interessanteren Käfig und weitere Ernährungsoptionen, verlor die Droge für die Nager an Reiz. Sullum erklärt anhand vieler Beispiele und Interviews, dass Ähnliches auch für Menschen gilt: Ob jemand sich von einem Stoff in den körperlichen Ruin oder die soziale Isolation treiben lasse, liegt weit mehr an den Umständen des Konsums als am Stoff selbst. Sogar ein großer Teil der Konsumierenden von Heroin, die ihrem Alltag wie andere Menschen ohne große Probleme nachgehen, erfüllt nicht die Kriterien einer Sucht. Das bedeutet freilich nicht, dass es ratsam ist, diese Droge zu nehmen! Doch Sullum zeigt unaufgeregt, dass die panischen und hysterischen Nachrichten und Verlautbarungen der Sicherheitsbehörden und der Politik nur wenig mit der durchschnittlichen Realität zu tun haben. Das gilt umso mehr, wenn wir uns einmal die Stoffe, die wir tagein, tagaus konsumieren, genauer ansehen.
Medizin oder Genuss?
Saying Yes hinterfragt die gängige Trennung zwischen legaler Medizin und legalem Genussmittel auf der einen Seite und illegalem Suchtstoff auf der anderen Seite. Sullum erklärt, dass diese Trennung in zwei Momenten unplausibel wird:
- Wenn unterschiedliche Stoffe zum selben Zweck verwendet werden.
- Wenn derselbe Stoff zu unterschiedlichen Zwecken verwendet wird.
Der Konsum von Cannabis kann Menschen bspw. helfen, ihre Schlafprobleme ein wenig in den Griff zu bekommen. Ist es verwerflicher, eher auf Cannabis als auf andere, dafür legale Schlafmittel zurückzugreifen? Und warum ist es für Menschen mit ADHS unbedenklich, (beinahe) täglich Methamphetamine zu konsumieren, um sich in der Arbeit besser konzentrieren zu können, während selbst der einmalige Konsum für alle anderen, zu welchem Zweck auch immer, strengstens verboten ist?
Und hier kommt ein dritter Punkt ins Spiel: Wenn man psychische Probleme ebenfalls als medizinische Probleme betrachtet, wo verläuft dann die Grenze zwischen dem verbotenen Freizeitkonsum zur Entspannung einerseits und der medizinisch-psychiatrischen Lösung von Anspannungszuständen andererseits? Recreational Gebrauch, also Konsum zum Zwecke des Spaßes und der Entspannung, steht immer im Verdacht, nicht recreational im engeren Sinn des Wortes zu sein – also notwendig zur Wiederherstellung der physischen und psychischen Belastbarkeit im Alltag.
Psychedelika: Eine Abkürzung zur Erleuchtung?
Für das Publikum des Psychedelika Club dürfte insbesondere das Kapitel 4 („Crazy Man") von Interesse sein, das sich vornehmlich den Diskursen um LSD und andere Psychedelika widmet. Sullum fasst den Stand verschiedener Studien (zur Erinnerung: vor über 20 Jahren) zusammen, die langanhaltende positive Wirkungen bei Personen, die Psychedelika genommen haben, feststellten. Gegenüber den therapeutischen Erfolgen, die sich konstatieren lassen, wirken die nachgewiesenen Risiken ein wenig blass (und die behaupteten Risiken aufgebläht). Dennoch betont auch Sullum: Psychedelika sind keine Abkürzung zur ‚Erleuchtung'. Daran anschließend stellt er aber die Frage, warum Abkürzungen denn eigentlich grundsätzlich illegitim sein sollen. So ist es in der Psychologie doch Konsens, dass nicht jedes psychische Leiden einer langjährigen Psychoanalyse bedarf. Manchmal reicht ein wenig Verhaltenstherapie, um neurotische Muster zu durchbrechen. Warum sollte man also jahrzehntelang Meditations- und Atemübungen betreiben, um legal einen Zustand zu erreichen, der durch den Konsum von Psychedelika womöglich schneller erreichbar ist?
Sullum konstatiert daher lakonisch ein paar Kapitel später: „While expert training and conscientious practice may enable people to do on their own some of the things that drugs help them do, most will find better uses of their time" (S. 270). Ich, für meinen Teil, habe auch Besseres zu tun.
Plädoyer fürs Mittelmaß
Saying Yes ist eine populärwissenschaftlich unterfütterte Streitschrift. Sullum belegt dabei nicht jedes seiner Argumente. Darum geht es auch gar nicht. Er möchte stattdessen eine unaufgeregte und vor allem ehrliche Diskussion über den Gebrauch von Drogen und dessen Grenzen anstoßen. Er betont, dass es hierbei keine einfachen und allgemein gültigen Regeln geben kann. Die Idee der Temperanz impliziert jedoch, dass es Regeln geben muss. Darauf insistiert Sullum. Das beginnt damit, dass etwa Kinder und – je nach Droge (einschließlich legaler Drogen wie Koffein) – auch Jugendliche keine oder nur geringe Mengen zu sich nehmen sollten. Das Fahren von Autos sollte unmittelbar nach dem Konsum bestimmter Drogen ebenfalls nicht erlaubt sein, und so weiter.
Wichtig ist, dass die Diskussionen um Regulation und verantwortlichen Konsum ehrlich geführt werden. Schreckgespenster und schwarze Pädagogik untergraben das Vertrauen. Ein besonderes und erwähnenswertes Verdienst Sullums ist die Sammlung verschiedener historischer Mythen und Märchen um verschiedene Drogen: So wurde Cannabis noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nachgesagt, bei den Konsumenten zu unkontrollierbaren Aggressionen zu führen. Wer einen Stoner kennt, weiß, wie viel von dieser These zu halten ist. Aber eine Pädagogik, die mit Übertreibungen dieser Art arbeitet (auch mit weniger abstrusen), verliert ihre Glaubwürdigkeit.
Für Bücher wie für Drogen gilt: Set und Setting sind entscheidend. Was ist das richtige Setting für Saying Yes? Ein Manko des Buches ist nämlich die Redundanz: Sullum wiederholt seine Argumente in den verschiedenen Kapiteln immer wieder. Das ist, wenn man das Buch am Stück liest, etwas ermüdend. Wegen dieser Redundanzen lassen sich die einzelnen Kapitel aber unabhängig voneinander oder mit großem zeitlichen Abstand lesen. Damit ist das Buch nicht nur wegen seines provokanten Deckblatts ideale Toilettenlektüre. Für Leute, die ihre Aufmerksamkeitsspanne mithilfe von Reels auf wenige Minuten herunterfrittiert haben, kann es damit ein Substitut für ihre Social-Media-Sucht sein. Aufgrund der beachtlichen Vielzahl von Anekdoten und (mehr oder weniger) fun facts dürfte das Buch aber sowohl Einsteigern als auch Kennern der Materie neue Argumente an die Hand geben. Für den Kampf um eine vernünftige Drogenpolitik ist dieses Buch, trotz der genannten Mängel, ein wichtiger Beitrag.
Falls du es bis hierhin geschafft hast und dich angesprochen fühlst, sei dir die Lektüre wärmstens empfohlen.
Die hier beschriebenen Inhalte dienen ausschließlich der theoretischen, philosophischen und zeithistorischen Aufklärung und stellen keine Anleitung oder Empfehlung zum Konsum von psychedelischen Substanzen dar. Jeder Konsum von psychoaktiven Substanzen, egal ob legaler oder illegaler Art, birgt Risiken. Personen, die noch nicht volljährig sind oder bei denen eine psychische Erkrankung besteht bzw. ein Verdacht auf eine solche vorliegt, wird ausdrücklich vom Konsum von Psychedelika abgeraten.
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Unüberlegter und unbeaufsichtigter Konsum sowie Missbrauch zu bloßen Rauschzwecken ist gefährlich und entspricht nicht unserer Überzeugung. Wir positionieren uns als Bestandteil der Bewusstseinskultur und appellieren an die Eigenverantwortlichkeit aller Interessierten sowie daran, die landesspezifischen Gesetze über den Umgang mit psychoaktiven Substanzen (z. B. BtMG in Deutschland, BetmG in der Schweiz, SMG in Österreich) einzuhalten.
Wir nehmen explizit keinen Bezug auf Forschungschemikalien wie ALD-52, 1P-LSD, 1cP-LSD, MIPLA, 1V-LSD, 1D-LSD, 1T-LSD, 1S-LSD, die es generell gibt oder 1Fe-LSD oder 1BP-LSD in unserem Shop, da diese nicht für den menschlichen Konsum bestimmt sind.




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