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Meditation, Psychedelika & Erleuchtung

Artsy Shot: Let Light In (© Ljubomir Trajkovski)

Ein Beitrag von Mehmet

 

»Das Paradoxe im Leben besteht darin,
alles so zu akzeptieren wie es ist,
und trotzdem weiter zu streben.«

Sam Harris

»The paradox of life lies in accepting everything as it is,
and still striving further.«

 

Kurzgefasst

Meditation ist eines der wertvollsten Werkzeuge im Umgang mit unserer Realität. Richtig genutzt, und gepaart mit einem neugierigen Verstand, welcher alles in Frage stellt, kann das Meditieren zur Selbstauflösung und Erleuchtung führen.

 

☝🏻 Disclaimer: Dieser Text enthält ausschließlich meine subjektive Wahrnehmung der Realität. Selbst wenn Wörter so gewählt sind, wie wenn sie eine vermeintlich objektive Beschreibung einer beliebigen Sachlage darstellen, handelt es sich trotzdem nur um die Meinung einer beliebigen Person. Stell alles in Frage und finde deine eigenen Antworten. Niemand außer dir kann für dich deine Wahrheit finden. Awaken your mind.

 

Dein Warum.

Vielleicht fragst Du Dich, was Meditation und Psychedelika gemein haben? Sehr viele, die bereits Psychedelika konsumiert haben, werden sich sicherlich an vereinzelte Momente vollkommener “Perfektion” während der psychedelischen Reise erinnern. Diese Momente, die an Klarheit und Schönheit nicht zu übertreffen sind, sind für viele auch der Grund, überhaupt Psychedelika zu konsumieren. Genau dieser Zustand kann auch durch Meditation erreicht und über längere Zeiträume aufrechterhalten werden. Doch nicht nur kann dieser Zustand erreicht werden, es können auch alle anderen Zustände, wie Angst oder Panikattacken, mit einer inneren Ruhe begegnet werden, die unbeschreiblich befähigend ist. Während einer psychedelischen Reise tauchen allerlei Gefühle und Gedanken auf, auch jene, mit denen wir Schwierigkeiten im Umgang haben. Manche haben bereits einen subjektiv wahrgenommenen “Bad Trip” erlebt, was nichts anderes bedeutet, als Gedanken und Gefühle zu erleben, die in uns Angst bis hin zur Panik auslösen. Im Angesicht von Angst, Verwirrung, und Panik, innere Ruhe zu bewahren, lässt uns selbstsicherer durch das Leben schreiten.

Es gibt mehr als genug Artikel im Internet, in denen das Meditieren erklärt wird. Zwar werde ich auch etwas auf die unterschiedlichen Arten eingehen, aber es ist meines Erachtens viel wichtiger zuerst die Frage zu klären, warum Du überhaupt meditieren willst. Was ist dein Ziel? Was willst Du erreichen, und was willst Du vermeiden oder reduzieren? Wovor rennst Du weg und auf was rennst Du zu? Der erste Schritt ist es, sich zu fragen, warum man diesen ersten Schritt überhaupt macht. Vielen Menschen geht es um Stressbewältigung oder um Ablenkung von den eigenen, negativ wahrgenommenen, Gedanken und Gefühlen. Jedoch kann durch richtiges Meditieren so viel mehr erreicht werden, sodass hier “mit Kanonen auf Spatzen” geschossen wird, falls es nur zur Stressbewältigung genutzt wird. Meines Erachtens gibt es ausschließlich ein Ziel, dass dem Mehrwert der Meditation gerecht wird: Erleuchtung. Es existieren tausende Beschreibungen dessen, was Erleuchtung sein soll. Die Definition, die ich nutze ist, dass es sich dabei um die Auflösung des Gefühls des “Selbsts”, manchmal auch “Ich” oder “Ego” genannt, handelt. Manche beschreiben diese Auflösung des Selbsts auch als “Ego-Tod”. Ich vermute, dass für alle unter euch, die diesen Zustand noch nicht erlebt haben, dieser Zustand extrem schwer greifbar ist. Manche haben ihn sogar vielleicht bereits während einer psychedelischen Reise erlebt. Es ist aber vollkommen irrelevant, wie viele eloquente Worte ich nutze, um es zu beschreiben, weil es keinen Unterschied machen wird, falls Du diesen Zustand noch nicht selbst erlebt hast. Trotzdem möchte ich mit dir dieses Zitat teilen, weil es sehr nah an die Realität kommt:

»You live in illusion and the appearance of things.
There is a reality, but you do not know this.
When you understand this, you will see that you are nothing.
And being nothing, you are everything.
That is all.«

Kalu Rinpoche

Dein Körper.

Gerne möchte ich mit dir zunächst ein paar Grundlagen des Meditierens besprechen, bevor ich wieder auf die Thematik der Erleuchtung eingehe. Die meisten Menschen sitzen beim Meditieren mit geschlossenen Augen auf einem Meditationskissen, mit den Händen im Schoß oder auf den Knien. Auch das Meditieren im Liegen ist in Ordnung, und sogar für manche Meditationsarten erwünscht, wobei hier das Risiko etwas erhöht ist, dabei einzuschlafen. Ob Du auf einem Kissen, einem Stuhl, liegend oder in der Lotus-Position bist, ist vollkommen irrelevant für die Meditation selbst. Idealerweise bist Du aber in einer Position, die dich für die Dauer deiner Meditation ruhen lässt. Mach es dir also gerne so bequem wie möglich, aber mit dem Wissen, dass unsere Körper nicht dazu gemacht sind, stundenlang wach zu ruhen und Schmerz unausweichlich zum langen Meditieren dazugehört. Du kannst auch mit offenen Augen meditieren, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es Menschen schwer fällt, sich vollkommen in der Meditation gehen zu lassen, wenn sie immer wieder blinzeln müssen. Daher empfehle ich allen, die neu anfangen mit dem Meditieren, mit geschlossenen Augen zu beginnen. Versuche dich außerdem so wenig wie möglich zu bewegen, aber gleichzeitig, falls Du Dich bewegen willst, um Schmerzen zu lindern, dann mach das einfach und ohne lange zu überlegen. Schmerzen im Kontext der Meditation sind meistens Verspannungen im Rücken, den Knien oder im Hüftbereich. Simpel zusammengefasst: ruht der Körper, ruht auch das Bewusstsein. Ruht das Bewusstsein, ruht auch der Körper.

»Calm body, calm mind.
Calm mind, calm body.«

Dein Bewusstsein.

Die am weitesten verbreitete Form des Meditierens ist es, die Aufmerksamkeit auf ein Objekt, entweder die Sinneseindrücke oder Gedanken und Gefühle, zu lenken und dort konzentriert und aufmerksam zu verweilen. Die meisten Menschen beginnen mit dem Atem, wobei aber letztendlich jedes beliebige Objekt als Meditationsobjekt gewählt werden kann. Jeder Moment deiner Realität kann als Meditation genutzt werden. Gedanken und Gefühle sind genauso Objekte deiner Realität, sodass auch diese Teil deiner Meditation sein können und im Laufe deines Prozesses auch sein werden. Viele fangen jedoch mit dem Atem an, weil dieser immer und überall verfügbar ist. Vor allem zur Stressbewältigung ist der Atem ein gutes Objekt, weil langsames und tiefes Atmen uns innerhalb kürzester zur Ruhe bringen kann. Weniger verbreitet, aber meist der nächste Schritt, ist es, die Aufmerksamkeit von einem Objekt auf weitere Objekte gleichzeitig auszuweiten. Das Ziel ist es, immer mehr Objekte ohne jegliche Mühen gleichzeitig vollumfänglich wahrnehmen zu können. Das ist letztendlich auch das, was dein Unterbewusstsein macht. Es nimmt zu jedem Zeitpunkt alle Sinne wahr, filtert aber alles heraus, was es als unwichtig erachtet. In deinem Bewusstsein landet also nur ein Bruchteil dessen, was dein Körper und Unterbewusstsein wahrnehmen. Ich meditiere beispielsweise gerne in der Natur und lausche den Vögeln und und dem Wind, der die Blätter der Bäume zum Rascheln bringt, während ich den Wind auf meiner Haut spüre und die Sonnenstrahlen in meinem Bewusstsein “sehe”. Genau so gerne meditiere ich aber in belebten Cafés oder in überfüllten Zügen und nehme dabei alles wahr, was um mich herum passiert, beispielsweise die Vibrationen des Zuges.

Es gibt noch viele weitere Formen der Meditation. Ich fasse diese als aktive Meditationen zusammen, weil bei diesen etwas, mit unserem Verstand, gemacht wird. Das kann das Wiederholen und Singen von Mantras sein, Gebete oder Verkündungen der Liebe an alle Lebewesen (Metta-Meditation), Visualisierungen von Gegenständen, Heiligen, oder Göttern, aber auch das ununterbrochene wiederholen eines Wortes bis zur Ekstase. Diese Formen der Meditation haben ihre Daseinsberechtigung und viele Menschen erreichen hiermit all ihre Ziele, die sie sich für das Meditieren gesetzt haben. Der Grund, warum ich mich nie damit anfreunden konnte, ist, dass ich immer das Gefühl habe, aktiv etwas zu machen bei dieser Art der Meditation. Anders formuliert, wird durchgehend Willenskraft ausgeübt und Konzentration ist notwendig. Jedoch ist das kontraproduktiv für das Ziel der Erleuchtung. Der Grund hierfür ist, sehr simpel formuliert, dass das “Selbst” die vermeintliche Macht, die es über dich hat, verlieren muss. Das kann aber nicht passieren, wenn dein Selbst ständig gebraucht wird. In meinen Meditationen versuche ich daher immer weniger Willenskraft auszuüben im Laufe der Meditation und genau so wenig wie notwendig auszuüben, um mich nicht in Gedanken zu “verlieren”. Manche bezeichnen das als ein immer tieferes Loslassen. Für mich ist es eher der Akt des wortwörtlichen Nichts-Tuns. Folgende Drei Zeilen, fassen im Prinzip meine gesamte Meditationspraxis gut zusammen:

»Go from doing to non-doing.
From being aware to being awareness.
If you’re not getting rid of the meditator, get rid of meditation.«

Deine Disziplin.

Meine Empfehlung ist es, täglich zu meditieren. Idealerweise jeden Morgen noch bevor Du auf dein Handy geschaut hast. Fang gerne mit 10 bis 20 Minuten jeden Morgen an und erhöhe die Dauer je nachdem, wie es sich für dich richtig anfühlt. Falls Du ganz neu anfängst mit dem Meditieren, empfehle ich dir, eine der einschlägigen Apps zu nutzen. Ich selbst habe Waking Up (kein Affiliate Link) von Sam Harris genutzt und kann vor allem den 30 tägigen Einsteigerkurs sehr empfehlen. Nach einer gewissen Zeit wirst Du aber hoffentlich merken, dass Du eigentlich keine Anleitung mehr brauchst. Ich meditiere schon lange ohne Anleitung, ohne Uhr, und ohne mir ein Objekt auszusuchen. Ganz simpel gesagt, setze ich mich hin und schließe meine Augen, ohne irgendeine Erwartung an die Meditation zu haben und nur minimale oder sogar gar keine Willenskraft auszuüben. An manchen Tagen bedeutet das, dass ich eine Stunde lang nichts anderes mache, als meinen Gedanken dabei zuzuschauen, wie sie ihre Spielchen spielen. An anderen Tagen empfinde ich aber tiefe innere Ruhe und Gelassenheit für anderthalb Stunden. Dann wiederum gibt es die Tage, an denen ich weine, innerlich lache, Angst habe, oder manchmal auch wieder einschlafe und das alles in einer Meditation. Du merkst vielleicht, dass meditieren nicht bedeutet weniger zu erleben und sich von der Welt abzuschotten, sondern ganz im Gegenteil: Alles soll genau so intensiv und klar erlebt werden können, wie es unser Unterbewusstsein wahrnimmt. Es geht nicht darum, weniger zu leben, sondern darum, mehr zu erleben, unabhängig davon, ob Du dasitzt mit geschlossenen Augen oder gerade an der Kasse im Supermarkt stehst. Und um das zu erreichen, braucht es aber wohlwollende Disziplin. Täglich meditieren ist gut, aber mach daraus keine Aufgabe. Wenn Du dich nicht danach fühlst, dann sei nachsichtig mit dir und erlaube dir ab und zu Pausen. Und irgendwann, wenn Du genug wohlwollende Disziplin gezeigt hast, ist jeder Moment Meditation und Du musst dich nicht mehr “formell” hinsetzen und meditieren: Du meditierst durchgehend.

»People think you lose the world,
but you actually gain it.«

Mein Leben. Meine Reise.

Ich habe viele Male versucht, mit dem Meditieren anzufangen, aber ich konnte daraus nie eine Gewohnheit oder Routine machen. Ich vermute, dass es daran lag, dass ich immer nur meditiert habe, wenn es mir nicht gut ging und ich kurzfristige Erleichterung benötigt habe. Weil die Momente, in denen es mir nicht “gut erging” immer öfter und länger wurden, habe ich Ende 2021 mit einer Psychoanalyse begonnen. Mittlerweile gehe ich drei Mal die Woche zur Therapie und beobachte meine Gedanken und Gefühle. Ich teile das mit Dir, weil Therapie im Prinzip gleichzusetzen ist mit der Funktion der Meditation: es wird sich ein Objekt, nämlich entweder Gedanken oder Gefühle, ausgesucht und die komplette Aufmerksamkeit wird für eine Stunde darauf gelegt. Der Vergleich passt so gut, weil ich zum einen körperlich Ruhe und zum anderen schließe ich dabei auch noch meine Augen, wie eben auch in der Meditation. Die Therapie war aber nicht der ausschlaggebende Grund, mit dem Meditieren anzufangen. Der kam erst, als ich das Buch Addicted to Love von Jan Geurtz gelesen habe. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich damit, wie wir lernen können, andere und unser Selbst bedingungslos zu lieben. Als ich die erste Hälfte des Buches zu Ende gelesen habe, habe ich wochenlang nichts als pure Liebe empfunden. Die zweite Hälfte des Buches sagt vieles, aber im Prinzip war die Botschaft: Wenn Du dich jetzt gut fühlst und dieses Gefühl aufrechterhalten willst, dann meditiere. Und das habe ich dann auch getan.

Begonnen habe ich mit 20 Minuten geleiteter Meditation jeden Morgen. Nach kurzer Zeit habe ich dann mehrmals pro Tag 20 Minuten meditiert. Nach vier Monaten habe ich aufgehört mit Anleitung zu meditieren und mich schlicht so lange hingesetzt, wie ich meditieren konnte. Einige Wochen lang habe ich sehr viel innere Unruhe ausgehalten, weil ich versucht habe, die Dauer immer weiter zu verlängern. Irgendwann habe ich dann für mich realisiert, dass es eigentlich nichts zu tun gibt beim Meditieren und ich mich einfach hinsetzen kann ohne jegliche Erwartung oder Wertung. Ich akzeptiere schlicht alles, was ich in der Meditation erlebe. Seither meditiere ich formell, also sitzend mit geschlossenen Augen, meist nur noch am Morgen für circa 45 Minuten bis anderthalb Stunden. Ich stelle mir aber keinen Wecker und meditiere nur so lange, wie ich keine Willenskraft ausüben muss, um in der Meditation zu sitzen. Ich nutze das Wort “formell”, weil mittlerweile fast jeder Moment meditativ ist. Sei es nun das Auffüllen meines Wasserglases oder das auf der Toilette Sitzen, alles hat meine vollkommen Aufmerksamkeit verdient.

Nach ein paar Monaten des Meditierens habe ich begonnen, meine Sinne viel intensiver wahrzunehmen. Das liegt sicherlich daran, dass ich viel aufmerksamer durch das Leben gehe und mich nicht mehr in Gedanken “verliere”. Diese intensivere Wahrnehmung der Sinne werden alle kennen, die bereits Psychedelika konsumiert haben. Dieser Zustand der Intensität kann täglich und in jedem Moment erlebt werden. Nicht nur kommt es aber zur intensiveren Wahrnehmung der Sinne, auch Gedanken und Gefühle werden viel intensiver und unmittelbarer wahrgenommen.

Eine Psychoanalyse bedeutet, alles in Frage zu stellen. Jede Überzeugung, jedes Weltbild, jedes Selbstbild, jede Beziehung, jeden Gedanken, einfach alles wird zunächst beobachtet und dann in Frage gestellt. In diesem Prozess des Infragestellens, zeigt sich, dass alle Ansichten, die wir so mit uns herumtragen, subjektiv erzeugt sind und, außer in unserem Bewusstsein, nicht real sind. Darüber hinaus nehmen wir nicht mal die objektive Realität wahr, sondern nur das, was in unser Bewusstsein gelangt. Und was in unser Bewusstsein gelangt, ist ausschließlich geprägt durch unsere Vergangenheit. Jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten nimmt zu jedem Moment eine komplett andere Realität wahr. Alles, was Du glaubst, als objektive Wahrheit zu kennen, wird ausschließlich durch deine Sinne, Gedanken und Gefühle vollkommen subjektiv kreiert.
Sitzung um Sitzung, Woche um Woche, arbeitet das Selbst also daran, sich selbst in Frage zu stellen. Es wirkt paradox, aber durch dieses Infragestellen, und das realisieren, dass die eigenen Probleme und Traumata ausschließlich in unserer subjektiv kreirten Realität existieren, heilt das Selbst allmählich. Manchmal bedeutet das, monatelang tiefe Trauer und Antriebslosigkeit zu empfinden. Je mehr das Selbst aber geheilt ist, desto mehr lässt es los. Los von den schmerzhaften Erinnerungen der Vergangenheit und los von jeglichen Erwartungen an die Zukunft. Das Selbst fühlt sich immer wohler im Hier und Jetzt. Und umso mehr es im Hier und Jetzt gut leben kann, umso weniger hat das Selbst das Gefühl, gebraucht zu werden. Die Auflösung des Selbst ist dann nur noch eine Frage der Zeit. In Zen-Klöstern, und wenn das Selbst der jeweiligen Person dafür bereit ist, überraschen die Zen Meister die Person indem sie sie anschreien, kleine Steine nach ihnen werfen, oder manchmal auch mit einem Bambusstock schlagen. Alles, was das Selbst so sehr überrascht und aus der Bahn wirft, dass es für einen kurzen Moment vollkommen verwirrt und perplex ist, wird genutzt. In diesem kurzen Moment der Verwirrung soll und kann es passieren, dass es zur Auflösung des Selbsts kommt und somit zu einem Moment der Erleuchtung.

»Die while you’re alive and be absolutely dead.
Then do whatever you want: it’s all good.«

Bunan

Mein Moment der Erleuchtung hielt ein ganzes Wochenende an. Ein ganzes Wochenende voller Momente purer Ekstase, aber genauso voller Momente purer Panik. Panik, weil auf einen Schlag das Gefühl des Selbst vollkommen weg war. Nichts ergab mehr Sinn. Wie es mir geht, was ich will oder nicht will, Pläne, Wünsche und Präferenzen, Erinnerungen, alles war und ist irrelevant. Das gesamte Konstrukt meines Lebens, mit Familie, Freund:innen, Arbeit, Hobbies, jegliche Identifikation und allem was dazugehört, war auf einen Schlag ohne Bedeutung. Die Erkenntnis ist, dass nichts eine inhärente Bedeutung hat. Alles hat nur die Bedeutung, die dein Selbst der Sache zuschreibt. Und wenn es das verstanden hat, wird es schwierig, irgendetwas Bedeutung zu geben. Diese Erkenntnis kann zunächst depressive Verstimmungen auslösen, weil es bedeutet, dass wir unser gesamtes Leben anhand von Zielen und Wünschen gelebt haben, die keine Bedeutung haben. Aber, wie alles, wird auch diese Phase vorübergehen. In den Momenten, in denen ich nicht verwirrt war, überkam mich eine unvergleichbare Ekstase: Ohne das ständig analysierende und wertende Selbst, kann die Realität ungefiltert und vollumfänglich wahrgenommen werden. Die Buddhisten nennen es Nirvana und die Christen Himmel auf Erden. Ich beschreibe das aber lieber nicht dogmatisch und vergleiche es mit dem Theater: ich schaue mir bereits mein ganzes Leben lang ein Theaterstück meiner Sinne, Gedanken und Gefühle an und habe den Eindruck, alles voll und ganz wahrzunehmen. Die Erleuchtung lässt mich aber realisieren, dass ich das Theaterstück die ganze Zeit hinter einem Vorhang wahrgenommen habe. Dieser Vorhang wird nun entfernt und ich nehme noch immer das gleiche Theaterstück wahr, jetzt aber unmittelbar und mit einer Klarheit, die unbeschreiblich schön ist. Und irgendwie frage ich mich, wie ich nicht schon früher bemerkt habe, dass da ein Vorhang zwischen dem Theaterstück und mir ist.

Das hört sich irgendwie alles schön an, aber in Realität ist die Erkenntnis, dass mein Selbst eine Illusion ist, extrem herausfordernd. Es bedeutet nämlich, dass es für mich momentan keinerlei Sinn macht, jeglichen Präferenzen des Selbsts zu folgen. Wochenlang schwankte ich zwischen vollkommener Akzeptanz des Flusses des Lebens und vollkommener Desillusionierung und Verwirrtheit. Das einzige, das ich noch mit Gewissheit sagen kann, ist, was und wie ich mich in einem gegebenen Moment fühle. Also die Sinneseindrücke, die ich wahrnehme, aber auch welche Gedanken und Gefühle gerade in meinem Bewusstsein existieren. Hand in Hand mit der Achterbahnfahrt des Lebens, kam auch ein unmittelbares Erlebnis der Vergänglichkeit aller Dinge. Nur das Hier und Jetzt existiert, wenn alle Erinnerungen und Erwartungen keinen Sinn mehr ergeben.

Ich habe zwar nun das Wissen, dass mein Selbst eine Illusion ist, aber trotzdem gehe ich arbeiten, habe Freund:innen, Familie, und einen Alltag zu navigieren. Und dafür braucht es definitiv ein Selbst, eine Persönlichkeit, ein Ego, zumindest irgendetwas, das die vermeintliche Innenwelt mit der vermeintlichen Außenwelt interagieren lässt. Die Erleuchtung ist also in meinem alltäglichen Leben kein anhaltender Zustand. Es gibt immer wieder Momente der Erleuchtung, in denen die eigene Identifikation und das Selbst vollkommen wegfallen, und ich mich eins mit allem fühle, aber hierbei handelt es sich nicht um andauernde Zustände. Mein Selbst kann aber mittlerweile viel besser mit allem im Leben umgehen. Das Wissen, dass alle Präferenzen nur eine Illusion sind, und, dass selbst der schlimmste Moment, sobald er vorbei ist, genauso wenig Realität hat wie der jemals erlebte schönste Moment, haben mir eine Leichtigkeit im Umgang mit dem Leben verschafft, die ich nie erwartet hätte. Wer ich bin, weiß ich aber nicht mehr. Ich weiß, dass ich weder mein Körper, noch meine Gedanken oder Gefühle, mein Selbst, meine Lebensgeschichte, oder meine erwartete Zukunft bin. Aber ich mag mein Selbst, vielleicht liebe ich es ja sogar. Momentan beschreibe ich “Mich”, und damit meine ich nicht mein Selbst, als den Raum, in dem sich meine Realität entfaltet. Was bedeutet das? Das kann ich nicht so genau sagen, außer, dass es sich richtig anfühlt.

»The self is an illusion.
But it feels so real, that you better like your self.«

Dein Leben. Deine Reise.

All unsere Leben sind so einzigartig, dass jede Person für sich selbst den richtigen Weg finden muss. Nur Du kannst wissen, was für dich richtig ist und was nicht. Du brauchst keine Gurus, keine Lehrer und keine Lehren, musst nicht in ferne Länder reisen oder fremde Sprachen lernen, und Du musst dich auch nicht in dreimonatige stille Meditations-Retreats einquartieren, um zu dir zu finden. Vertraue deinen Instinkten, folge deinen Eingebungen und stelle alles, ja, wirklich alles, in Frage. Finde zu deiner eigenen Wahrheit. Emanzipiere dich von allen Glaubenssätzen. Vertraue deinem Gefühl mehr als deinem Verstand, und deinem Verstand mehr als dem Verstand anderer. Akzeptiere dich. Finde zu dir. Sei Du ohne Kompromisse.

»Do not seek to follow in the footsteps of the wise.
Seek what they sought.«

Basho

Unsere Meditation.

Obwohl ich ein starker Befürworter freier Meditation ohne Anleitung bin, haben wir vom Psychedelika Club uns überlegt, trotzdem mit Dir und Euch regelmäßig zu meditieren und danach in den Austausch zu treten. Schau gerne bei unseren Veranstaltungen nach, um teilzunehmen.

»There is no better time than now, no better place than here.
There is no other time than now, no other place than here.«

Meine Buchempfehlungen.

Und abschließend möchte ich noch Bücher mit dir teilen, die mir sehr geholfen haben auf meiner Reise.

Addicted to Love – Jan Geurtz
Wie wir es schaffen, andere und unser Selbst bedingungslos zu lieben.

Wake Up Now – Stephan Bodian
Warum es nichts zu erreichen gibt, außer im Hier und Jetzt zu leben.

After the Ecstasy, the Laundry – Jack Kornfield
Wie wir Momente der Erleuchtung in unseren Alltag integrieren.

Spiritual Enlightenment – Jed McKenna
Warum alles außer Erleuchtung irrelevant ist.

 

 

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Risikohinweise

Jeder Konsum von psychoaktiven Substanzen, egal ob legaler oder illegaler Art, birgt Risiken. Personen, die noch nicht volljährig sind oder bei denen eine psychische Erkrankung besteht bzw. ein Verdacht auf eine solche vorliegt, wird ausdrücklich vom Konsum von Psychedelika abgeraten.

Die hier geschilderten Erlebnisse sind subjektive Erfahrungsberichte. Sie erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und wollen zur Auseinandersetzung mit dem Thema eine Bewusstseinskultur anregen. Hierzu gehört insbesondere auch die eingehende Beschäftigung mit weiteren Quellen (z. B. anderen Erfahrungsberichten und wissenschaftlichen Studien), den Risiken und der Rechtslage im eigenen Land. Die Darstellung auf diesem Blog erfolgt nach bestem Wissen und Gewissen, kann jedoch eine eigene kritische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht ersetzen, sondern nur einen Beitrag dazu leisten, sich ein möglichst vollständiges Bild zu machen.

Unüberlegter und unbeaufsichtigter Konsum sowie Missbrauch zu bloßen Rauschzwecken ist gefährlich und entspricht nicht unserer Überzeugung. Wir positionieren uns als Bestandteil der Bewusstseinskultur und appellieren an die Eigenverantwortlichkeit aller Interessierten sowie daran, die landesspezifischen Gesetze über den Umgang mit psychoaktiven Substanzen (z. B. BtMG in Deutschland, BetmG in der Schweiz, SMG in Österreich) einzuhalten.

Wir nehmen explizit keinen Bezug auf Forschungschemikalien wie 1D-LSD oder 1T-LSD, da diese nicht für den menschlichen Konsum bestimmt sind.

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